Dreikönig 2016 (JuLis) Am 6. Januar 2016 jährte sich das erste Dreikönigstreffen der deutschen Liberalen zum 150. Mal.

Die Linnicher Liberalen trafen sich erstmals zum Neujahrsempfang an Dreikönig. Als Gäste konnten wieder viele Vertreter von Linnicher Vereinen und Initiativen begrüßt werden. Auch unsere neue Bürgermeisterin ließ es sich nicht nehmen der Linnicher FDP einen Besuch abzustatten. Vertreter der Jülicher FDP und die Jungen Liberalen im Kreis Düren (Foto) waren ebenfalls bei uns zu Gast. Traditionell dient Dreikönig für eine Grundsatzrede zum Jahresanfang. Diese Rede können Sie im Folgenden nachlesen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Interessenten, liebe Gäste,

ich begrüße Sie herzlich zum 2. Neujahrsempfang und 1. Dreikönigstreffen der Linnicher FDP.

Das Dreikönigstreffen hat eine lange Tradition: heute vor 150 Jahren trafen sich zum ersten Mal die Liberalen in Stuttgart zu ihrem politischen Jahresauftakt. Genauso wie vor 150 Jahren versammeln sich auch heute noch die Liberalen in Deutschland an Dreikönig, um das politische Jahr zu eröffnen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Neues Jahr, Gesundheit, Glück und Erfolg bei dem, was Sie sich vorgenommen haben.

Begrüßen möchte ich an dieser Stelle die Vertreter der Linnicher Vereine und Initiativen:

– Rudi Venrath und Josef Nobis von der Werbegemeinschaft der Stadt Linnich,

– Stefan Helm vom Linnicher Geschichtsverein,

– Kurt Beaujean vom Stadtmarketingverein „Wir in Linnich“,

– Peter Leufen und Günter Wentz vom AKV Linnich,

– Michaela und Hans Körffer von der Linnicher Weihnachtskiste.

Für uns als Linnicher FDP war und ist es wichtig uns mit den engagierten Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt auszutauschen. Herzlichen willkommen.

Das  vergangene Jahr war ein Jahr das viele Veränderungen für Europa, für unser Land, aber auch für Linnich mit sich gebracht hat. Zum ersten Mal in unserer Geschichte haben die Linnicher direkt für einen Wechsel an der Spitze unserer Stadt gestimmt.

Ich freue mich an dieser Stelle unsere neue Bürgermeisterin, Marion Schunck-Zenker, begrüßen zu dürfen. Herzlich willkommen bei den Linnicher Liberalen.

Deine Wahl, aber besonders die Deutlichkeit des Ergebnisses, hat gezeigt, wie sehr sich die Linnicher nach einem Wechsel, nach Veränderung, nach einer neuen Politik mit neuen Köpfen sehnen. Das Ergebnis war so deutlich, dass man das selbst im fortgeschrittenen Alter mit sehr langer Erfahrung im Stadtrat eigentlich nicht hätte überhören können. Hans-Dietrich Genscher hat die Verweigerung von Politikern neue Realitäten anzuerkennen wie folgt beschrieben: „Wer nicht mit der Zeit geht,  muss mit der Zeit gehen.“

Für die anstehenden Aufgaben wünschen wir Dir viel Kraft und Durchsetzungsvermögen.

Nicht zu vergessen, begrüße ich, stellvertretend für die beste Jugendorganisation der Welt, den neuen Kreisvorsitzenden der Jungen Liberalen, Dariush Kutschak Alawi.

Für den – bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr – erfolgreichsten Stadtverband im Kreis Düren, der FDP Jülich, begrüße ich den Vorsitzenden Wolfgang Steufmehl und den Fraktionsvorsitzenden Clemens Schüssler.

Anrede,

wir Leben in einer Zeit, die von Wandel, von ständigen Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, geprägt ist. Wir leben in einer Zeit, in der internationale Konflikte das höchste Ausmaß seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht haben. Wir haben gerade eine Wirtschafts- und Finanzkrise hinter uns gelassen und stehen in Europa weiterhin von der Bewältigung der Staatsschuldenkrise.

Krisenzeiten, Zeiten von tiefgreifenden Veränderungen, sind häufig auch Zeiten, in denen extreme Kräfte an Rückhalt gewinnen. Das geschieht vor allem dann, wenn die bisher dominierenden politischen Kräfte nicht mehr in der Lage sind, Antworten auf neue Fragen zu geben oder aus Angst vor extremen und populistischen Kräften, diesen hinterherlaufen und sie damit erst salonfähig machen.

Wir erleben in Europa, dessen Gründungsgedanke Zusammenarbeit anstelle von Nationalismus ist, wie extreme, wie nationalistische Kräfte von rechts und links an Zuspruch gewinnen. Von diesen Kräften getrieben, erleben wir eine Entsolidarisierung zwischen den Mitgliedsstaaten, eine Renationalisierung, und das Entstehen antiliberaler Regime, wie in Polen und Ungarn. Manche fühlen sich an die letzten Tage der Weimarer Republik erinnert, aber Geschichte wiederholt sich nicht.

Wir erleben das Erstarken extremer Kräfte und vielfach einen massiven Einbruch der Volksparteien. Wir erleben, und das unterscheidet uns deutlich von Weimar, die Wiedergeburt der politischen Mitte: seien es VVD und D66 in den Niederlanden, die Demokraten in Luxemburg, Ciudadanos in Spanien, MOST in Kroatien oder Nowoczesna in Polen. Immer mehr Menschen suchen eine politische Kraft jenseits der erlahmten Volksparteien und der nationalistischen Kräfte. Eine politische Kraft, die nicht die „guten alten Zeiten“ herauf beschwört, den status quo bewahrt oder lediglich die Ängste und Sorgen der Menschen schürt. Eine politische Kraft, die mutig, weltoffen, optimistisch und lösungsorientiert den Veränderungen begegnet und die Zukunft gestaltet. Diese politische Kraft, ist der Liberalismus.

Er hat an seiner Aktualität nichts verloren: in einem Europa, in dem wirtschaftliche Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, bürgerliche Freiheiten und Menschenrechte in Frage gestellt werden; in Deutschland, das seit zehn Jahren in Reformunfähigkeit erstarrt, mit einer zukunftsvergessenen Politik, die die Chancen der jungen Generationen schmälert und mit immer neuen Gesetzen und Verordnungen Mittelstand und Handwerk die Luft zum Atmen nimmt; im Kreis, wo das „richtige“ Parteibuch oder die „richtige“ Verwandtschaft über Beförderungen entscheidet; in Linnich, wo Bedenkträger und ängstliche Kleingeister noch viel zu viel Macht haben.

In Linnich haben wir angefangen. Vor einem Jahr noch war die Rede von einer RiGroKo, einer riesengroßen Koalition. Heute redet davon keiner mehr. Heute gibt es längst andere Mehrheiten im Rat – und das ist gut so. Die Zeit des klein-klein und Postenverteilens ist vorbei. Wir gestalten jetzt Zukunft.

Wir haben erst damit angefangen ein neues Linnich zu entwerfen. Der Beschluss des ‚Integrierten Handlungskonzepts’ ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Zeit. Wir haben die einmalige Chance unsere Stadt neu zu gestalten. Dabei geht es gar nicht so sehr, um ein paar neue schicke Fassaden oder einen neuen Straßenbelag. Es geht um die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt. Das IHK ist dabei die Grundlage.

Wir dürfen dort aber nicht aufhören. Wir müssen die Wirtschaftsförderung auf neue Beine stellen und über die Vermarktung unserer Stadt nachdenken. In einer „liebens- und lebenswerten Stadt“, da will man wohnen, da will man vielleicht alt werden, aber da wird man nicht investieren.

Wir müssen die Chancen des Tourismus besser für uns nutzen. Die von uns angestoßene Reaktivierung des Linnicher Volksgartens oder der von „Wir in Linnich“ geplante „Rheinische Energielehrpfad“ sind erste Schritte in diese Richtung.

Wir müssen Bildung zur ersten Priorität machen. Linnich hat ein Bildungsangebot das sich sehen lassen kann: von der U3-Betreuung bis zum Abitur. Welche Stadt unserer Größenordnung kann das bieten? Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Die Gesamtschule ist noch in der Entstehungsphase. Wir müssen sie stärken, damit sie im Wettbewerb mit den umliegenden Gymnasien bestehen kann. Das bedeutet: individuelle Förderung von Begabungen statt Einheitsbildung, moderne Ausstattung, ein breiter Fächerkanon, Zusammenarbeit mit Vereinen und Unternehmen und ein identitätsstiftendes Profil. Unsere Gesamtschule darf nicht zur Restschule, zu einer Hauptschule mit schickerem Namen werden. Sie muss ein Leuchtturm für individuelle Bildung im ländlichen Raum werden.

Es gibt viel zu tun. Wir sind bereit. Packen wir es an.

Anrede,

ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute für das Neue Jahr und wünsche uns jetzt noch einen schönen Abend in geselliger Runde.

Vielen Dank!

– es gilt das gesprochene Wort –